Frühe Rheuma-Therapie kann Gelenkfunktion erhalten
Echtes Gelenkrheuma führt zu einer fortschreitenden Zerstörung der Gelenke. Um dies zu verhindern, setzen die Ärzte heute auf eine frühzeitige Behandlung. Ihnen steht eine zunehmende Zahl von Medikamenten zur Verfügung. Die bisherigen Erfahrungen machen die Experten zuversichtlich, die in der Fachzeitschrift »DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift« (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) einen aktuellen Überblick über die derzeitige Behandlung geben.
Im Frühstadium könne es sehr schwierig sein, die Rheumatoide Arthritis, wie die Ärzte das „echte“ Rheuma nennen, von anderen Gelenkbeschwerden zu unterscheiden, berichtet Professor Gerd Burmester von der Berliner Charité. Früher waren die Gelenke oft bereits unumkehrbar zerstört, wenn wir uns der Diagnose sicher waren, erinnert sich der Direktor des dortigen Rheumazentrums. Ein Grund: Der Rheumafaktor, früher ein wichtiges Diagnosekriterium, ist sehr unzuverlässig, da er häufig auch bei Gesunden im Blut nachweisbar ist. Eine deutliche Verbesserung haben hier neue Tests gebracht, sagt Professor Burmester. Sie weisen Antikörper (Anti-CCP und Anti-MCV) nach, die praktisch nur bei Rheumakranken im Blut vorhanden sind.
Damit wird es möglich, die Krankheit frühzeitig zu behandeln, wobei zunehmend auch sogenannte biologische Medikamente (Biologicals) zum Einsatz kommen. Diese Medikamente greifen gezielt in die Gelenkentzündung ein. Die Ärzte können heute zwischen mehreren Wirkstoffen (Etanercept, Infliximab, Adalimumab, Rituximab) wählen, so dass sich für fast jeden Patienten ein passendes Medikament findet. Derzeit dürfen die meisten Biologicals erst eingesetzt werden, wenn andere Mittel versagt haben. Dies könnte sich aber ändern, wenn die laufenden Studien, wie Professor Burmester hofft, erfolgreich sein sollten.
Dies könnte viele Rheumapatienten auf Dauer vor Gelenkzerstörungen schützen. Doch der Rheumatologe bleibt vorsichtig: Die Medikamente können die Rheumatoide Arthritis aufhalten, aber nicht heilen. Deshalb müssen die Patienten immer wieder mit den Medikamenten behandelt werden, deren langfristige Sicherheit noch nicht bekannt ist. Professor Burmester fordert deshalb eine regelmäßige Untersuchung der Patienten, um etwaige Komplikationen rechtzeitig zu erkennen.
G. R. Burmester, E. Feist:
Rheumatologie 2007.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (25/26): S. 1396-1398

