Präventionsgesetz kann Lebenserwartung steigern
Vorbild Japan: Japaner haben weltweit die höchste Lebenserwartung, obwohl die Gesundheitsausgaben relativ niedrig sind. Gesundheitsforscher deuten dies in der Fachzeitschrift »DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift« (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) als Erfolg zielgerichteter und über viele Jahrzehnte betriebener Präventionsbemühungen. Deutschland könne hier von Japan lernen.
Noch in den 1960er Jahren war Japan unter den OECD-Ländern das »Schlusslicht« in der Lebenserwartung, schreibt die Gruppe um Professor Wilhelm Kirch vom Zentrum Demographischer Wandel an der Technischen Universität Dresden. Seither haben die Japaner alle anderen Länder überflügelt, für die Autoren das Ergebnis erfolgreicher Bemühungen in der Vorbeugung von Krankheiten bei Gesunden (Primärprävention) und bei bereits Erkrankten (Sekundärprävention). Bereits um 1970 habe die japanische Regierung Initiativen gestartet, um die Ernährungs- und Verhaltensgewohnheiten der Japaner zu verbessern. Es wurden Ernährungsleitlinien herausgegeben und das Essen in den Kantinen überprüft. »Es gab Aufklärungsmaßnahmen für die gesamte Bevölkerung, die langfristiger Natur waren und noch heute in aktualisierter Form eingesetzt werden«, lobt Professor Kirch. Auch in den Arztpraxen würden die Patienten in Ernährungsfragen beraten.
Japanische Gesundheitsforscher analysieren regelmäßig Statistiken, um Krankheitsbilder zu identifizieren, die durch Früherkennung zu heilen sind. Diesen Krankheiten wie beispielsweise Magenkrebs würde dann oberste Priorität eingeräumt. Die dafür eingeführten Vorsorgeuntersuchungen seien oft verpflichtend. Wer sich verweigere, erleide unter Umständen finanzielle Nachteile (Malusregelung).
Keine dieser Maßnahmen sei außergewöhnlich, schreibt Professor Kirch: Vieles wirke im Gegenteil trivial und leicht nachvollziehbar. Doch anders als viele derzeit in Deutschland diskutierte Initiativen seien die vorbeugenden Maßnahmen in Japan von Beginn an auf Langfristigkeit angelegt. Und sie seien mit hoher Konsequenz und Disziplin über Jahrzehnte hinweg durchgeführt und verbessert worden. Die japanischen Erfahrungen zeigen Professor Kirch, dass ein Präventionsgesetz, wie es jetzt in Deutschland diskutiert wird, langfristig die Lebenserwartung steigern könnte.
W. Böcking et al.:
Prävention, Lebenserwartung und Ausgaben für Gesundheit – Generierung einer Hypothese, was Deutschland von Japan lernen kann. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (42): S. 2217-2220Dieser Artikel ist abzurufen unter
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