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Behandlung von Sucht durch Stärkung verantwortungsvoller Männlichkeit

Dieser Artikel wurde am 28. November 2007, 22:07 von FG erstellt, und 176 Mal gelesen. | Kategorie: Indikation/Therapie, Klinische Forschung

Alkoholmissbrauch und Genesungfzm – »Die Frauen sind daran Schuld, wenn Männer saufen«, klingt zwar etwas überpointiert und provokativ, kennzeichnet aber als Metapher oft die psychosoziale Situation von Männern. Drogenkonsum (Alkohol, illegale Drogen etc.) ist ein offensichtlich probates und einfaches Mittel, um Männlichkeit herzustellen. Drogen bieten die Möglichkeit der Abgrenzung zum weiblichen Geschlecht, der Inszenierung von Stärke, des Auslebens von Gewalt und des Ertragen-Könnens einer Menge hochprozentiger Getränke (z.B. Koma-Saufen) und dienen auch der Demonstration von Machthierarchien unter den Männern selbst.

Das Erleben von Antriebssteigerung, Grandiosität und das Übersich-Hinauswachsen erzeugen Rauschgefühle, die männlicher Dynamik und gesellschaftlichen Rollenanforderungen an Männer entsprechen. Diese Einstellung wird durch die Emanzipationsbewegung noch verstärkt. Männer bevorzugen einen riskanteren Lebensstil als Frauen und bezahlen dies, wenigstens zum Teil, mit einer kürzeren Lebenserwartung und vielen anderen gesundheitlichen Belastungen. Ein Beitrag in der Zeitschrift »Suchttherapie« (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) zieht aus diesen und weiteren Erkenntnissen die Schlussfolgerung, dass Drogenkonsum weniger als Reaktion auf Problemlagen zu verstehen ist, als vielmehr als bewusstes, gezielt eingesetztes und damit funktionales Instrument zur Herstellung von Geschlechtsidentitäten. Anders ausgedrückt – Alkoholgebrauch dient als Strategie zur Herstellung und Bewältigung traditioneller Männlichkeit: Verdrängen, Abspalten und Abschotten. Männliche Rollenzwänge prädestinieren zum Alkoholkonsum.

Die Drogenberatung und -hilfe ist immer noch wenig geschlechtsspezifisch ausgerichtet, man tut so, als ob die Klientel geschlechtslos sei. Daher treffen die Interventionen bislang vielfach nicht den Kern des Problems beider Geschlechter. Es gibt noch keine männerspezifische und männergerechte Sichtweise in der Drogenarbeit. Es muss also ein Umdenken einsetzen. Männliche Jugendliche entwickeln ihre soziale Männlichkeit und ihr männliches Selbstbild vor allem auch in Abhängigkeit von Frauenverachtung und -abwertung, nicht jedoch aus der Wertschätzung der eigenen Männlichkeit. Drogenarbeit muss deshalb auch dazu beitragen, in der Adoleszenzphase das Ertragen von Mehrdeutigkeiten bei den Geschlechtsrollen zu fördern. Diese Toleranz entspricht dann der Fähigkeit, widersprüchliche Rollenanforderungen auszuhalten und konstruktiv in das eigene Selbstbild und das eigene Lebenskonzept einzubauen, wie zum Beispiel Leistung und Entspannung, Aktivität und Reflexivität, Konzentration und Integration. Dies sind Kennzeichen einer kreativen Persönlichkeit, die im Leben weiter führt als Alkohol und Drogen.

thieme.gif H. Stöver: Mann, Rausch, Sucht: Konstruktionen und Krisen von Männlichkeiten.
Suchttherapie 2007; 8 (3): S. 89-94.

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