Die Blaulichtgefahr – oder…
Die Vorgeschichte: Ö-3, Samstag Nachmittag, Nachrichten… Ein paar Wortfetzen erreichen mich während meiner bildschrirmgebundenen Aktivitäten…
Licht und Gesundheit: Machen Energiesparlampen oder LCD-Bildschirme krank?
Ein Symposium in Wien an diesem Wochenende (08./09.März) will sich sich u. a. mit dieser Fragestellung auseinandersetzen. Schon jetzt bekannte Meinungen und Forschungsergebnisse aus Tierversuchen sollen zeigen, dass das modernere künstliches Licht durchaus seine Schattenseiten hat.
Und die energiefressende herkömmliche, und zuletzt immer mehr verteufelte Glühbirne soll besser sein, als ihr Ruf…
Verdammt, ich sitze an einem LCD… jeden Tag, viele Stunden, muss ich um mein Augenlicht fürchten??!
Verzweifelt schmeiße ich Google an…
Na ja, die Referenten beim Symposium haben schon eindrucksvolle Titel und Funktionen: Prof. Dr. RICHARD FUNK, Leiter des Instituts für Anatomie der TU Dresden, HERBERT KLIMA, österreichischer Biophysiker, Universtätsprofessor am Atominstitut der Uni Wien, ALEXANDER WUNSCH, Lichtbiologe und Ganzheitsmediziner, Heidelberg, D, Präsident der ILA (International Light Association) oder KARL ALBERT FISCHER, Prof. Mag.art. em.Univ.Lektor, Licht- und Farbinstitut…
Erstgenannter Professor Funk etwa, bezeichnete den Blaulicht-Anteil, wie ihn auch Quecksilberdampf-Leuchtmittel (Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen) aussenden, auf einem Kongress in London als „Blaulicht-Gefahr“…
An Qualifikation oder Reputation der o.g. Herren lässt sich sicher nicht zweifeln, dennoch lässt ein Blick auf den Veranstalter bzw. das eine oder ander Googlesuchergebnis (etwas) tiefer blicken:
Der Veranstalter, das Österreichische Institut für Licht und Farbe, verkauft (sog.) private Diplome basierend auf verschiedenen Seminaren und Modulen etwa für sog. Farb- und Licht-Energethiker an. Man beachte die kreative Schreibweise von Energetik und natürlich auch die Einzelpreise der jeweiligen einzelnen Bildungsveranstaltungen die sich dann zu einigen Tausend Euro summieren, wenn man denn einmal Feuer gefangen hat…
Die meisten Links in den Suchergebnissen von Google die auf das Wiener Symposium verweisen, haben Schlagworte im Bezug, die von »ganzheitlich«, über »nachhaltig«, oder eben auch »energethisch« bis zum allseits bekannten »dipl. Lebensberater« reichen.
Ja, ja… in Österreich zählen Diplome und Titel (noch) etwas…
Ein Schelm wer Böses dabei denkt, denn »nachhaltig« oder »ganzheitlich« sind durchaus gebräuchliche Vokabeln von Consultingunternehmen und Beratern aller Art… ;)
»Die Presse« (Wiener Tageszeitung), zitiert mit Bezug auf die Veranstaltung:
»Das bläuliche Licht der Energiesparlampe steht seit Jahren im Verdacht, die Netzhaut des Auges nachhaltig zu schädigen. Der altersbedingten Makula-Degeneration (AMD) könnte mit der vermehrten Einsetzung bläulicher Lichtquellen Vorschub geleistet werden.
Bei Tierversuchen an Ratten hat sich unter dem Einfluss von Fluoreszenzlicht (wie es Energiesparlampen aussenden) bereits nach vier Tagen eine Schädigung der Netzhaut gezeigt. Nach 30 Tagen kam es zu einer kompletten Degeneration der Sehzellschicht.
„Alle modernen TFT-Bildschirme sind ja auch mit einer Quecksilberdampf-Hintergrundbeleuchtung ausgestattet. LCD-Fernseher, Computer- und Laptop-Monitore funktionieren nach diesem Prinzip. Damit nimmt die Belastung der Netzhaut durch blaues Licht erschreckend zu. Der einzig mögliche Schutz ist hier ein Bildschirmschutzfilter“, gibt Wunsch zu bedenken. …
„Hingegen kann das warme Licht der Glühlampe, das dem Sonnenlicht in vielen Punkten ähnlich ist, neuesten Forschungen zufolge die Netzhaut pflegen“, wirft Fischer ein. …«
AUA…! Der Altersblindheit wird Vorschub geleistet… Hat mein Bildschirm einen solchen Filter…?! Soll ich alle Websitehintergründe/Bildschirmhintergründe jetzt besser Rot machen, damit das geneigte Auge des Betrachters sich erholen oder gar gar geschädigte Netzhautzellen regenerieren kann…?
Verzweifelt werfe ich wieder Google an, um mehr oder weniger zweifelhafte Informationen zum Grad meiner Sehkraftschädigung zu finden…
Ein Blick auf die Website einer anderen Wiener Tageszeitung »Der Kurier« (nebenbei gesagt, sehr fortschrittliches Layout, XHTML und viele userfreundliche Dialogfunktionen) wirft mir folgendes Zitat zum Symposioum aus:
»Man kann die Ergebnisse aus den Zellkulturen nicht so einfach auf den Menschen übertragen«, entgegnet Univ.-Prof. Ursula Schmidt-Erfurth, Leiterin der Uni-Klinik für Augenheilkunde und Optometrie in Wien. »Es gibt keinen wissenschaftlich eindeutigen Nachweis, dass ein höherer Blaulichtanteil auch beim Menschen – unter normalen Lebensbedingungen – zu Schäden führt.«
Eher auch beruhigender als die Ö3-News, die langsam eintrudelnden Kommentare beim Artikel von »Die Presse«:
Leserkommentare:
»Auffallend ist,dass hier kein einziger Augenarzt zitiert wird!
Denn die »Blaulichtgefahr« wird in der Augenheilkunde sehr wohl diskutiert, allerdings in wesentlich seriöserem Rahmen:
- 1. Die Linse schützt weitgehend vor Blaulicht, wenn man einmal älter als 20 ist.
- 2. Künstliche Lichtquellen sind viel zu schwach, um zu schaden. Schädlich ist nur zuviel Sonne …
- 3. Wie die POLA Studie in Frankreich gezeigt hat, ist aber Sonnenlicht nur in geringem Ausmass an der AMD schuld.
- 4. AMD entsteht auf Grund von genetischen Polymorphismen und oxidativen Schäden. Diese sind aber vor allem durch Rauchen und Übergewicht verursacht, NICHT durch Licht !!
Daher: Wieder einmal ist die Presse ein paar fanatischen Sektierern auf den Leim gegangen…«
Antwort darauf folgt. (klar, ohne em.Prof. o.ä. im Titel/Absender-Namen, dennoch ähnlich klangvoll wie mit »The Preacher« oder »Voice of Reason«…)
»In der ersten Zeile des Artikels merkt man, wer auf diese abstruse Theorie gekommen ist – »Ganzheitlich«, da weiß man schon, dass irgendwelche Esoterik-Heinis kreativ geworden sind – will hier jemand sinnlose (»energetische«) Produkte an den Mann bringen?
Die zitierten Studien sind nicht auf die tatsächlichen Gegebenheiten übertragbar, da z.B. eine solche direkte Exposition der Netzhaut des Auges an das ungefilterte Licht von ESL in der Praxis niemals besteht, außer man würde Tagelang mit einem durch Atropin gelähmten Auge direkt in das Licht starren.
Komplett falsch ist zudem die Aussage besagter »Experten«, das Licht der Glühbirnen würde dem Lichtspektrum der Sonne ähnlicher sein als das der ESL. Im professionellen Bereich werden seit geraumer Zeit Xenon und CCFL Lampen eingesetzt, da im Lichtspektrum der Glühlampen ganze Frequenzbereiche fehlen, Rot viel zu stark ist, und damit eine natürliche Farbgebung nicht möglich wäre!«
Ich beruhige mich langsam, die Transpiration auf der Angststirn lässt auch nach, die Klinische Forschung hat doch nicht ALLES verpasst, was die Wirkung von Licht auf den Organismus angeht…
Ein versuchtes Fazit:
Nichtsdestotrotz ist dieses Thema sicher forschungswürdig, denn die Wirkungen von Licht oder auch Farben auf Psyche oder Organismus bleiben unbestritten. Wissenschaftlich begründete Forschungsergebnisse werden ganz sicher Einfluss auf künftige Produktentwicklungen bei künstlichen Lichtspendern oder auch Bildschirmtechnologien haben. Vielleicht ist auch die gute alte Glühbirne 2009 noch nicht europaweit abgeschafft, und vielleicht haben auch die angenehmen Rottöne im Corporate Design der DZKF eine positive Wirkung in den (/für die) Augen ihrer Betrachter… ;)
Zitierte Quellen im Web:
Die Presse
Der Kurier
Licht und Farbe

[…] steht in direktem Zusammenhang zu den an dieser Stelle aufgeführten Ereignissen. Lies selbst: Die Blaulichtgefahr – oder… – DZKF WEBLOG Die Haltbarkeit, die Lichtqualität und die Umweltbilanz von Energiesparlampen ist deutlich besser […]