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Hepatitis B: Rechtzeitige Therapie verhindert tödliche Leberschäden

Dieser Artikel wurde am 31. Juli 2008, 20:40 von FR erstellt, und 1126 Mal gelesen. | Kategorie: Indikation/Therapie
Landkarte zu Verbreitung Hepatitis B
Verbreitung Hepatitis B: Weltweite Prävalenz der Hepatitis B, 2005 Hoch: Prävalenz des Hepatitis B Surface-Antigens (HBs) > 8 % Mittel: 2-7 % Niedrig: <2%

fzmObwohl es mittlerweile eine wirksame Impfung gibt, sind etwa eine halbe Million Menschen in Deutschland chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt nach Auskunft von Experten in der Fachzeitschrift »DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift« (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) nicht nur von der Konzentration der Viren im Blut ab. Entscheidend sei das Risiko, ob langfristig eine Vernarbung der Leber, die Leberzirrhose droht.

Chronisch ist eine Hepatitis B, wenn sich die Viren länger als sechs Monate in der Leber vermehren, erläutert Professor Robert Thimme von der Universität Freiburg. Der für die Diagnose ausschlaggebende Bluttest bestimmt das sogenannte HBs-Antigen, ein Bestandteil der Virusoberfläche. Der vermehrte Nachweis des HBs-Antigens ist jedoch nicht ausreichend für eine Entscheidung zur Therapie, die häufig über viele Monate erfolgen muss. Ausschlaggebend ist die Gefahr einer schweren Leberschädigung. Zunächst kommt es zu einer Vermehrung des Bindegewebes in der Leber, der Fibrose, später zu einem narbigen Umbau, der Leberzirrhose. Sie führt unbehandelt zu Leberkrebs oder durch Leberversagen zum Tod. »Eine chronische Hepatitis B geht in 20 bis 30 Prozent in eine Leberzirrhose über«, sagt Professor Thimme. Diese Patienten müssen rechtzeitig behandelt werden, wofür heute mehrere Medikamente zur Verfügung stehen.

Da die Therapie aber langwierig ist, müssen Ärzte jene Patienten finden, bei denen eine starke Virusvermehrung auf eine drohende Schädigung der Leber hinweist. Hier bietet sich der Nachweis von Virusgenen (DNA) an. Sie bestimmen die Viruslast. Studien aus Ostasien, wo die Hepatitis B sehr verbreitet ist, deuten an, dass die Viruslast gute Informationen über die Gesundheitsgefährdung gibt. Laut Professor Thimme ist jedoch noch nicht erwiesen, ob die Ergebnisse auf Deutschland übertragbar sind. »Die Entscheidung zur Therapie muss sorgfältig geprüft werden«, rät der Experte.

Neben der Viruslast müssten andere Risikofaktoren berücksichtigt werden. Dazu gehören neben Alkoholkonsum und Fettstoffwechselstörungen auch Alter und Geschlecht. Männer sind laut Thimme stärker gefährdet. Frauen seien möglicherweise durch Hormone, wie das Östrogen, vor einer Fibrose geschützt.

Durch die Überprüfung der Blutspenden und die Einführung der Impfung sind Neu-Infektionen mit Hepatitis-B-Viren in Deutschland seltener geworden. Zwei Drittel aller Patienten haben einen Migrationshintergrund, erläutern Professor Dr. Heinz Hartmann und Dr. Dietrich Hüppe, die eine Fachpraxis in Herne betreiben. Diese Patienten haben sich in ihren Heimatländern, etwa Russland oder der Türkei infiziert, wo die Hepatitis B sehr viel stärker verbreitet ist als in Deutschland und häufig bereits bei der Geburt oder im Kleinkindalter erworben wird. Die Autoren sprechen sich daher für eine Bestimmung des HBs-Antigens bei Migranten aus.

R. Thimme:
Hepatitis-B-Viruslast als Risikofaktor für eine Leberzirrhose.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (30): S. 1589-1591

D. Hüppe, H. Hartmann:
Chronische Hepatitis B und C: Management in der Praxis.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (30): S. 1572-1577

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