Weblog & Magazin für medizinische Forschung, Innovation und Praxis

Falsche Arzneien per Mausklick

Dieser Artikel wurde am 22. Oktober 2008, 20:10 von François G. erstellt, und 76 Mal gelesen. | Kategorie: Woanders gelesen

Gefälschte Medikamente gesetzlich eindämmen
Wiesbaden, 22. Oktober 2008Gefälschte Arzneimittel gelangen hauptsächlich über den Internet- und Großhandel auf den Markt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist jedes zehnte verschickte Medikament eine Fälschung. Um dies wirksam zu bekämpfen ist enge, auch internationale Zusammenarbeit zwischen Herstellern, pharmazeutischem Großhandel, Apotheken und Behörden nötig, so die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Aber auch angemessene regulatorische Gesetzgebung sei gefragt. Wie diese aussehen könnte, ist heute ein Thema des Herbstsymposiums der Korporativen Mitglieder der DGIM in Wiesbaden.

Noch vor wenigen Jahren beschränkten sich Arzneimittelfälschungen vor allem auf Länder der sogenannten Dritten Welt. Heute jedoch werden bereits mehr als 30 Prozent der Plagiate in Industrienationen entdeckt – auch in Deutschland. „Das Einfallstor für die Fälschungen scheint in erster Linie das Internet zu sein“, sagt Professor Dr. rer. nat. habil. Harald G. Schweim vom Lehrstuhl „Drug Regulatory Affairs“ der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn. „Für den Kunden ist es besonders schwer, wenn nicht gar unmöglich, legale von illegalen Internet-Apotheken zu unterscheiden“. Gefälschte Medikamente könnten hier leicht ’an den Mann gebracht’ werden, so der Medizininformatiker und Fachapotheker für Arzneimittelinformation.

In Deutschland ist der Internethandel seit Anfang 2004 gesetzlich erlaubt. Auch verschreibungspflichtige Medikamente dürfen online gehandelt werden. Dass einige Händler es mit der Kontrolle der Rezepte nicht so genau nehmen, zeigt unter anderem eine Studie des Verbandes “European Alliance for Access to Safe Medicine“ (EAASM): Auf etwa 90 Prozent der 116 getesteten Seiten im Netz konnten Testkäufer demnach verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept bestellen. Um weiteren Missbrauch einzuschränken, fordern die Gesundheitsministerien von sieben Bundesländern mittlerweile ein Verbot des Versandes rezeptpflichtiger Arzneimittel. Entsprechende Anträge werden im Herbst dieses Jahres von der Bundesregierung diskutiert. Deutsche Internetanbieter tragen zudem das Siegel „Sichere Versandapotheke“.

Die Strafen seien heute immerhin härter als noch vor wenigen Jahren, sagt Professor Schweim: Seit 2004 haben Fälscher mit Freiheitsentzug von bis zu drei Jahren zu rechnen.

Dies allein werde jedoch nicht ausreichen, um das einträgliche Geschäft mit Plagiaten einzudämmen. „Ein wirksamer Schutz vor Fälschungen ist nur dann denkbar, wenn der Weg eines Arzneimittels vom Hersteller bis zur Apotheke lückenlos dokumentiert ist – und diese Dokumentation ihrerseits fälschungssicher ist.“ Entsprechende technische Möglichkeiten würden von der pharmazeutischen Industrie weltweit momentan erarbeitet und geprüft.

Terminhinweis:
Pressekonferenz
anlässlich des Herbstsymposiums der Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM):

Gefälschte Medikamente gefährden Menschen – schon jetzt „lohnender“ als der Handel mit Drogen?
Mittwoch, den 22. Oktober 2008, 13.30 bis 14.30 Uhr
Dorint Hotel Pallas Wiesbaden; Raum Hamburg; Auguste-Viktoria-Straße 15; 65185 Wiesbaden

Tags: ,

Keine Kommentare möglich.