Durchbruch: Tracheaimplantat aus körpereigenem Gewebe
Stuttgart – Ein Ärzteteam an der Klinik Schillerhöhe, Standort des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart, hat in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB ein Verfahren entwickelt, Patienten mit schweren Luftröhrenverletzungen künstlich hergestelltes körpereigenes Gewebe zu implantieren. Dabei werden größere Teile der menschlichen Luftröhre nachgezüchtet und operativ eingesetzt.
»Das neue Verfahren ist ein Durchbruch bei der Behandlung von Luftröhrenverletzungen«, erklärt Priv.-Doz. Dr. Godehard Friedel, Chefarzt der Abteilung für Thoraxchirurgie an der Klinik Schillerhöhe, der in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Heike Mertsching, Abteilungsleiterin Zellsysteme am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart, das Verfahren federführend entwickelt hat. »Bislang konnten ausschließlich kleine Luftröhrendefekte chirurgisch behandelt werden. Da in der Luftröhre keine künstlichen Prothesen oder Spenderorgane einsetzbar sind, waren große Verletzungen dagegen nicht behandelbar. Bei dem neuen Verfahren entwickeln wir die Implantate aus dem körpereigenen Gewebe des Patienten, so dass es hier zu keiner Abstoßungsreaktion kommt.»
Das Verfahren:
Ausgangsbasis ist ein Stück Schweinedarm, aus dem alle tierischen Zellen entfernt werden. Zurück bleibt eine zellfreie Trägerstruktur, deren Zusammensetzung derjenigen menschlichen Gewebes ähnelt. »Auf dieser Trägerstruktur siedeln wir Zellen aus dem Oberschenkel des Patienten an und kultivieren diese in speziellen Zellgewächshäusern, so genannten Bioreaktoren«, erklärt Dr. Mertsching. Innerhalb von vier bis fünf Wochen entsteht so ein körpereigenes Gewebe des Patienten. Dieses wird mit einem eigenen Blutgefäßsystem ausgestattet, so dass es bei der Transplantation an den Blutkreislauf des Patienten angeschlossen werden kann.
»Für Patienten mit schweren Luftröhrenverletzungen – etwa nach Unfällen oder Tumorerkrankungen – gab es bislang keine Perspektive, ohne dauerhafte intensive Krankenhausbehandlung zu überleben«, so Dr. Thorsten Walles, der als Arzt an der Klinik Schillerhöhe die Entwicklung gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut vorantreibt. »Der erste Patient, bei dem wir das Verfahren nach einer schweren Luftröhrenverätzung angewandt haben, konnte acht Tage nach der Operation die Klinik verlassen und kann seither wieder ohne Luftröhrenschnitt atmen und sprechen. Die Nachsorgeuntersuchungen haben gezeigt, dass das künstlich hergestellte Luftröhrengewebe unproblematisch angenommen wurde. Unser Ziel ist es, das neue Behandlungsverfahren auch anderen Patienten anzubieten, denen über die etablierten medizinischen Behandlungsverfahren bisher nicht geholfen werden kann.«
Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und
Bioverfahrenstechnik IGB
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart
Prof. Dr. Heike Mertsching
Telefon 0711 / 9 70-4117
Fax 0711 / 9 70-4200
Robert-Bosch-Krankenhaus / Klinik Schillerhöhe:
PD Dr. med. Godehard Friedel, FETCS
Dr. med. Thorsten Walles, FETCS
Robert-Bosch-Krankenhaus GmbH
Klinik Schillerhöhe
Abteilung Thoraxchirurgie
Solitudestrasse 18
70839 Gerlingen
Telefon 07156-203-2241
Fax: 07156-203-2003
thorsten.walles@klinik-schillerhoehe.de
