Weblog & Magazin für medizinische Forschung, Innovation und Praxis

Vielversprechende Therapie für Wirbelsäulen-Metastasen

Dieser Artikel wurde am 11. November 2009, 16:30 von FR erstellt, und 2111 Mal gelesen. | Kategorie: Klinische Forschung
Prof. Wenz demonstriert die korrekte Lage des Applikators für die IORT im Wirbelkörper. Photo: UMM
Prof. Wenz demonstriert die korrekte Lage des Applikators für die IORT im Wirbelkörper. Photo: UMM

Weltweit erstmalig: Intraoperative Radiotherapie während der operativen Therapie des Wirbelkörpers
Am Orthopädisch-Unfallchirurgischen Zentrum der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) ist unter Mitwirkung der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie im Rahmen einer Studie weltweit erstmals ein neues, vielversprechendes Behandlungsverfahren für Metastasen der Wirbelsäule angewendet worden. Es handelt sich um ein kombiniertes Verfahren, bei dem die Knochenmetastasen durch einen minimal invasiven Zugang zunächst intraoperativ bestrahlt werden und anschließend der Wirbelkörper über denselben Zugangsweg mittels der so genannten Kyphoplastie stabilisiert wird.

Das neue Verfahren verspricht neben der sofortigen Schmerzlinderung durch die Kyphoplastie eine sichere Therapie der Metastasen, bedingt durch die hohe lokale Strahlendosis, die direkt am Zielort appliziert werden kann.

Der Wirbelkörper wird nach der IORT mittels Ballon-Kyphoplastie aufgefüllt. Photo: UMM
Der Wirbelkörper wird nach der IORT mittels Ballon-Kyphoplastie aufgefüllt. Photo: UMM

Eine Vielzahl von bösartigen Tumoren neigt dazu, in den Knochen Tochtergeschwülste zu entwickeln. Knochenmetastasen siedeln sich vor allem in den Wirbelkörpern an. Mit der Metastasierung geht eine schmerzhafte Auflösung des Wirbelkörpers einher, die häufig die Bewegungsfähigkeit im täglichen Leben stark einschränkt. Eine Therapie in dieser Situation hat zum Ziel, das Tumorwachstum am Rückenmark zu stoppen sowie den Wirbel zu stabilisieren und den Patienten vom Schmerz zu befreien.

Standardtherapie ist bislang die Bestrahlung des von der Metastase betroffenen Wirbelkörpers durch die intakte Haut hindurch (perkutan). Der auf diese Weise behandelte Knochenanteil kann sich wieder zu tragfähigem Knochen regenerieren, was jedoch in der Regel mehr als drei Monate in Anspruch nimmt. Zudem treten bei dieser Behandlung in etwa zehn Prozent der Fälle Rezidive auf, da nur eine geringere Strahlendosis eingesetzt werden kann, um Haut und gesundes Rückenmark zu schonen.

Selten kommen operative Verfahren zur Stabilisierung der Wirbelkörper und Schmerzminderung zur Anwendung. Bei der Methode der Kyphoplastie, die ansonsten vor allem zur Stabilisierung von osteoporotischen Wirbelfrakturen zum Einsatz kommt, werden die eingebrochenen Wirbelkörper mithilfe von eingespritztem Knochenzement stabilisiert.

Am Orthopädisch-Unfallchirurgischen Zentrum (Professor Dr. Udo Obertacke) ist es, unter der Mitwirkung der Klinik für Strahlentherapie (Professor Dr. Frederik Wenz), weltweit erstmals gelungen, die Bestrahlung eines Tumor-befallenen Wirbelkörpers minimal invasiv – durch einen Schnitt von weniger als einem Zentimeter – direkt im Wirbelkörper durchzuführen und diesen gleichzeitig durch Knochenzement zu stabilisieren.

Der Therapieansatz basiert auf den unfangreichen und guten Erfahrungen der Mannheimer Strahlenklinik mit der Intraoperativen Strahlentherapie (IORT) der Brust, die hier bereits seit Jahren in enger Kooperation mit der Universitäts-Frauenklinik konsequent und erfolgreich angewendet wird – mit einer verkürzten Strahlenbehandlung und niedrigeren Rückfallraten. Darüber hinaus wird hier eine große Studie zur IORT der Brust koordiniert, an der sich in Deutschland 9 und weltweit 24 Zentren beteiligen.

Bei der IORT sowohl der Brust als auch zur Behandlung von Wirbelsäulen-Metastasen wird die Strahlung mithilfe eines mobilen Bestrahlungsgerätes (INTRABEAM®, Carl Zeiss Oberkochen) mit hoher Präzision appliziert. Trotz des Einsatzes einer relativ hohen Strahlendosis wird dabei das umgebende gesunde Gewebe geschont.

Das neue Behandlungsverfahren für Wirbelsäulen-Metastasen
kann derzeit nur im Rahmen einer klinischen Studie angewendet werden. Profitieren könnten von dieser Therapie Patienten mit einzelnen Knochenmetastasen in Wirbelkörpern, die schmerzhaft sind oder von ihrer Größe her das Rückenmark zu erreichen drohen. Bei etwa 30 Prozent aller an Wirbelsäulenmetastasen erkrankten Patienten würde sich eine Kyphoplastie in Kombination mit einer IORT anbieten.

Kontakt UMM -Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum Prof. Dr. med. Udo Obertacke
und Klinik für Strahlentherapie Prof. Dr. Wenz

Tags: , , ,

6 Kommentare
Kommentar hinterlassen...?! »

Neueste Kommentare zuerst...
  1. Wie schon bei den anderen Kommentaren gesagt: Bitte nutzen Sie die am Ende des Artikels verlinkten Kontaktadressen der Klinik.
    Mit freundlichen Grüßen
    Die DZKF-Onlineredaktion

  2. Nach Brust-OP 2004, jetzt multiple Knochenmetastasen mit starken Schmerzen.Nach einer erfolglosen Bisphosphonattherapie bekomme ich jetzt Chemo (Novantron). Leider noch keine Besserung. Der Tumormarker
    ist inzwischen bei 433,5
    Wäre ich eine Probandin für Ihre Therapie ????
    Gerne lasse ich Ihnen meine Unerlagen zukommen.
    MFG Doris Korth

  3. Liebe Frau Kaschlik,
    wie schon zum vorangegangenen Kommentar bemerkt – bitte stellen Sie diese Frage unter der o.g. Kontaktadresse am Ende des Artikels.
    Hier kann Ihnen die DZKF keine entsprechende Beratung geben…
    Das kann nur o. g. Experte vom UMM, der mit der Studie befasst ist…

    Mit freundlichen Grüßen
    Die DZKF-Online-Redaktion

  4. Meine vor 13 Jahren operativ entferntes Ma.Ca. meineten alle bisher für »erledigt«.
    immer mal wieder meldfeten sich Rückenbeschwerden., mal im HWS-Bereich mal der altbekannte Ischias.
    Ich ließ mich auf die Kommentare wie Abnutzungserscheinungen, altersbedingt… ein.
    Mit einem vermuteten Bandscheibenvorfall musste ich in der Klinik bleiben.
    Das ganze stellte sich als eine vielzahl von Knochenmetastasen in allen segmenten der Wirbelsäule heraus.
    Nun bekomme ich eine Hormon- und Schmerztherapie.
    Wären in meinem Falle diese neuen Erkenntnisse hilfreich und ich ein Fall für diese klinische Studie.
    Gern bin ich bereit, die Kopien meiner Unterlagen beizubringen, um diese Möglichkeit zu erwägen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Steffi Kaschlik

  5. Guten Tag Herr Dobberstein, bitte nutzen Sie die verlinkten Kontaktadressen am Ende des Artikels, wenn Sie mit den genannten Fachleuten bzw. der Klinik in Kontakt kommen wollen. Die DZKF kann weder Medizinische Beratung geben, noch Ärzte vermitteln.

    Mit freundlichen Grüßen
    Die DZKF-Onlineredaktion

  6. Meine Frau (55) leidet seit 15 Jahren an Brustkrebs. Mehrer OP`s (durch Prof. Dr. Bastert, Thoraxklinik etc.) haben bisher keinen Stillstand der Krankheit erreicht. Derzeit haben sich Knochenmetastasen an der Wirbelsäule eingestellt, die z.Zt. in der Heidelberger Klinik bestrahlt wurden. Starke Schmerzen und kaum ausführbare Gehbewegungen sind bis jetzt das Resultat. Eine (weitere) Chemotherapie schließt sich jetzt in den nächsten 3-4 Wochen an. Würde die Möglichkeit einer Studienteilnahme in ihrem Hause bestehen? Vor allem zwecks Linderung ihrer sehr starken Rückenschmerzen, die sich jetzt auch noch (nach der Bestrahlung) m.E. auf umliegende Organe verteilt haben. Für eine baldige Antwort wäre ich Ihnen sehr verbunden.
    MfG Wolfgang Dobberstein

Schreibe einen Kommentar