EHEC – Gefährliche Darmepidemie grassiert in (Nord-)Deutschland
Nierenfachärzte können die Betroffenen vor bleibenden Schäden bewahren
Seit dem Wochenende grassiert eine gefährliche Darminfektion, die durch den Erreger enterohämorraghische Escherichia coli (EHEC) ausgelöst wird. Derzeit ist besonders das norddeutsche Gebiet betroffen, aber erste Fälle wurden bereits aus anderen Bundesländern gemeldet.
Der Erreger EHEC macht sich zunächst durch schwere Durchfälle bemerkbar, ist aber viel gefährlicher als ein herkömmlicher Darminfekt, da er im Körper ein Toxin freisetzt, das zur Hämolyse, dem Abbau von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), führt. Als Folge tritt dann neben der Blutarmut (Anämie) ein Nierenversagen auf, da die feinen Blutgefäße der Niere durch die Abbauprodukte verkleben. Derzeit werden besorgniserregend viele Fälle dieses hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS), darunter versteht man das gemeinsame Auftreten von Nierenversagen, Anämie und Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie), verzeichnet.
In Folge des HUS können auch andere Organe geschädigt werden, so erleiden die Betroffenen oft eine gefährliche Schwellung des Gehirns. Viele der beobachteten Fälle hatten schwere, lebensbedrohliche Verläufe genommen.
Durch ein sogenanntes Aphereseverfahren wird der Heilungsprozess wesentlich unterstützt. Das Verfahren, das sonst häufig bei Autoimmunerkrankungen zum Einsatz kommt, eliminiert die schädlichen Stoffe im Blut und ersetzt körpereigenes Blutplasma. Wenn die Patienten zeitnah eine solche »Blutwäsche« erhalten, sind lebensbedrohliche Komplikationen wie Hirnödeme und Schäden wie das bleibende Nierenversagen abwendbar.
Die Apherese wird von Nephrologen (Nierenfachärzte) durchgeführt. Derzeit sind die Apherese-Kapazitäten in den betroffenen Gebieten nahezu erschöpft. Die Deutsche Gesellschaft für
Nephrologie hat ein Netzwerk geschaffen, um Patienten aus den stark betroffenen Regionen zu Nephrologen anderer Regionen zu überweisen und so die Versorgung sicherzustellen. Zudem wurden die Behörden eingeschaltet und derzeit werden auch Apheresemaschinen in die nephrologischen Zentren in Norddeutschland eingeflogen, um dort die Kapazitäten aufzustocken.
Mit diesen Aktivitäten kann die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie die Versorgung der Betroffenen derzeit sicherstellen. Um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern, wird
die Bevölkerung aufgerufen, besondere Hygienevorschriften einzuhalten. Der Erreger wird vermutlich durch Tierkot bzw. direkten Kontakt mit Tieren übertragen, kann aber auch durch kontaminierte Lebensmittel wie Rohmilch oder Rindfleisch übertragen werden. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist in der Akutphase ebenfalls möglich. Auch wenn die genaue Erregerquelle für die aktuelle Epidemie noch nicht bekannt ist, rät die DGfN dringend zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen:
- Auf Rohmilch und Rohmilchprodukte vorerst verzichten.
- Kopfgedüngtes Gemüse besonders gut waschen, wenn möglich kochen.
- Kein rohes Fleisch essen, darauf achten, dass das Fleisch gut durchgebraten/-gekocht
ist.
EHEC-Hotline der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie
01802 – 335670*
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie hat eine Hotline für Ärzte und Pressevertreter eingerichtet.
Unter der angegebenen Nummer beantworten Experten Fragen zur aktuellen EHEC-Epidemie.
Die Hotline wurde für die behandelnden Ärzte eingerichtet und für Pressevertreter, die Fragen zur Apherese haben.
Wir bitten Betroffene, von einem Anruf abzusehen und sich stattdessen direkt an ihren behandelnden Arzt zu wenden.
*Die Kosten für den Anrufer betragen aus dem deutschen Festnetz 0,06 € pro Anruf unabhängig von der Anrufdauer.
Ein Fact sheet finden Sie bei der DGfN

