Handprothese mit »Fingerspitzengefühl«
9. August 2010 | Von FR | Kategorie: TOP-NEWSSchmerzforscher der Uni Jena entwickeln Handprothese, die Phantomschmerzen lindert
Jena – Der Verlust eines Körperteils ist schmerzhaft und das gleich im doppelten Sinne: Denn neben Wundschmerzen leiden die Betroffenen häufig an sogenannten Phantomschmerzen. Im Gegensatz zu den körperlichen Wunden, die irgendwann verheilen, bleiben Phantomschmerzen oftmals über Jahre, nicht selten das ganze Leben. »Phantomschmerzen sind nur sehr schwer zu behandeln«, sagt Prof. Dr. Thomas Weiß von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. »Meist zeigen sich diese als ausgesprochen therapieresistent«, so der Professor vom Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie.
Häufig blieben die Symptome bestehen, trotz hoher Dosen von Schmerzmedikamenten. Die Gefahr sei groß, dass die Patienten dadurch in eine Medikamentenabhängigkeit geraten, so der Schmerzforscher.
Doch nun können Wissenschaftler der Universität Jena den betroffenen Patienten Hoffnung auf Linderung machen: Gemeinsam mit Unfallchirurgen des Jenaer Uniklinikums und Wirtschaftspartnern hat das Team um Prof. Weiß herkömmliche Handprothesen so verändert, dass Phantomschmerzen nach einer Unterarmamputation reduziert werden können.
Ein zentraler Bestandteil der Neuentwicklung, die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGVU) finanziell gefördert wird, ist eine Stimulationseinheit, die über eine Manschette mit dem Oberarmstumpf des Patienten verbunden ist. »Zwischen Daumen und Zeigefinger sowie am Daumen der Handprothese befinden sich Drucksensoren«, erläutert Prof. Dr. Dr. Gunther Hofmann, Direktor der Jenaer Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. Ursprünglich sollten die lediglich dazu dienen, die Griffstärke der künstlichen Hand zu regulieren – je nachdem, ob man ein rohes Ei oder einen Hammer greifen will. »Unser System überträgt diese sensorischen Informationen nun auch von der Hand an den Oberarm«, so Unfallchirurg Hofmann.
…

